Coaching im digitalen Zeitalter

04.12.2017

Coaching hat sich in den Unternehmen als das Instrument etabliert, um Mitarbeiter individuell zu fördern und ihre Kompetenz zu entwickeln. Das setzt nicht immer ein persönliches Treffen von Coach und Coachee voraus. Die moderne Informations- und Kommunikationstechnologie eröffnet hierzu alternative Möglichkeiten.

 

Präsenz-Coaching hat Vor- und Nachteile

Ein persönliches Sich-Treffen ist beim Coachen jedoch meist hilfreich – denn es ermöglicht, ein umfassenderes Wahrnehmen und oft angemesseneres Reagieren auf die gecoachte Person als zum Beispiel ein Kontakt per Mail. Es erleichtert zudem den Beziehungsaufbau. Deshalb präferieren die meisten Coaches und Personen, die zuweilen als Coaches agieren – wie Führungskräfte und firmeninterne Aus- und Weiterbildner – diese Coaching-Form. 

Das klassische Präsenz-Coaching hat aber auch Nachteile. Es vergeht zum Beispiel nach einer Coachingsitzung meist einige Zeit, bis der Coach und der Coachee sich erneut treffen. Treten in der Zwischenzeit Fragen auf, steht der Coach oft nicht zur Verfügung.

Zudem ist heute aufgrund der hohen Arbeitsdichte der Terminkalender der am Coachingprozess beteiligten Personen oft so eng, dass es ihnen schwerfällt, sich auf einen Coaching-Termin zu verständigen. Den Coachees fehlt zudem zwischen den Coaching-Sitzungen oft die erforderliche Zeit, um das Besprochene nochmals zu reflektieren. Deshalb „verpufft“ es häufig wirkungslos – sofern zwischenzeitlich keine Begleitung erfolgt.

 

Die modernen Medien fürs Coaching nutzen

Darum sind heute zuweilen andere Coaching-Settings sinnvoll als früher. Außerdem empfiehlt es sich, verstärkt auf Coaching-Designs zu setzen, die Präsenz-Coachings mit Coaching-Formen verknüpfen, bei denen der Coach und der Coachee mittels der elektronischen Medien miteinander kommunizieren. Hierfür stellt die moderne Kommunikationstechnik viele Tools bereit.

Telefon-Coaching: Diese Coachingform nutzen bereits viele Coaches zum Coachen von Einzelpersonen und Teams.

Vorteile:

  • Medium Telefon steht (fast) jederzeit und überall zur Verfügung
  • niedrige Hemmschwelle; Coachees sind den Umgang mit dem Telefon gewohnt

Nachteile:

  • Wahrnehmung der körperlicher Reaktionen des Gegenübers entfällt, sofern diese sich nicht über die Stimme artikulieren
  • höheres Risiko von Fehleinschätzungen als beim Präsenz-Coaching

E-Mail-Coaching: Auch diese Form der Kommunikation wird im Rahmen von Coachingprozessen schon oft genutzt – zum Beispiel zum Stellen von Transferaufgaben und zum Beantworten von Fragen, die beim Coachee zwischen den persönlichen Treffen auftauchen.

Vorteile:

  • sorgt dafür, dass das Coaching-Anliegen zwischen den Treffen nicht in Vergessenheit gerät
  • Fragen können zeitnah beantwortet werden

Nachteile:

  • Coach und Coachee sehen und hören sich hierbei nicht
  • schriftliche Kommunikation erschwert Wahrnehmung inner-persönlicher Prozesse beim Coachee; Fehlinterpretationen sind leicht möglich
  • ein echter persönlicher Dialog findet nicht statt

WhatsApp-Coaching: Eine Sonderform des E-Mail-Coachings, bei der über Smartphone auch kurze Sprach- und Video-Nachrichten übermittelt werden können.

Vorteile:

  • Coachee hört zwischenzeitlich auch mal die Stimme des Coaches und sieht ihn; das stärkt die persönliche Beziehung
  • Sprach- und Videonachrichten transportieren auch Signale über das „Befinden“ des Coachees

Nachteile:

  • eher für Kurznachrichten geeignet; ungeeignet zum Bearbeiten komplexer Fragen – weil kein echter Dialog erfolgt

Video-Coaching: Coaching mit visuellen Medien wie Skype und Facetime

Vorteile:

  • ermöglicht ein Coachen von Einzelpersonen und Teams auf Distanz
  • das jeweilige Gegenüber und seine Reaktionen werden akustisch und visuell wahrgenommen
  • Reisezeiten entfallen
  • kurzfristig planbar
  • echter Dialog, bei dem ein spontanes Reagieren auf das Gesagte und Wahrgenommene möglich ist

Nachteile:

  • Wahrnehmung des Gegenübers beschränkt  sich auf das von der Kamera Aufgezeichnete

 

Selbst-Coaching per App

Viele Personen nutzen bereits Apps als Selbst-Coaching-Instrumente – zum Beispiel, wenn es darum geht, regelmäßig Sport zu treiben oder das Gewicht zu reduzieren. Solche Apps lassen sich auch für das Coaching in Unternehmen entwickeln.

Coaches und Unternehmen haben heute viele Möglichkeiten, Coaching-Designs zu entwerfen, die Präsenz-Coachings mit den genannten Coachingformen verknüpfen. Welche Verknüpfungen zielführend sind, gilt es bedarfs- und themenabhängig sowie abhängig von den Adressaten zu entscheiden.

 

Technik ermöglicht oft erst Coaching

Oft ermöglicht die moderne Technik jedoch erst ein Coachen – so zum Beispiel, wenn der Coach und der Coachee weit voneinander entfernt wohnen. Entsprechendes gilt bei Team- und Gruppen-Coachings, bei denen die Teilnehmer an unterschiedlichen Orten leben, so dass persönliche Treffen mit hohen Reisekosten und langen Reisezeiten verbunden wären. Hier macht das Nutzen der modernen Technik ein Coaching oft erst wirtschaftlich vertretbar.

Dr. Albrecht Müllerschön 


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