Werteorientierung

Über den Anstand in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wir miteinander umgehen 

von Axel Hacke, Kunstmann Verlag, 2017, 192 Seiten

Turbulente Zeiten scheinen manchen  Menschen – auch in den Führungsetagen der Unternehmen – als Erlaubnis zu dienen, ihre Kinderstube zu vergessen.  Sie erachten es als cool oder gar notwendig, in unserem gesellschaftlichen  Zusammenleben geltende Regel und ethische Prinzipen über Bord zu werfen – zum Beispiel, um ihre ganz persönlichen und individuellen Ziele zu erreichen. 

Sich die Frage zu stellen „Gehört sich das?“, erachten sie als antiquiert – zumindest so lange sich ihr Handeln im Rahmen des bestehenden Rechts bewegt. Die „Paradise Papers“ sind aktuell ein beredtes Zeugnis hiervon.

Werteorientierung geht verloren

Der ehemalige Redakteur der Süddeutschen Zeitung und heutige Kolumnist und Schriftsteller Axel Hacke stellt sich in seinem  Buch unter anderem die Fragen: Was bedeutet es eigentlich für jeden Einzelnen (und eine Gesellschaft), wenn Lüge, Rücksichtslosigkeit und Niedertracht an die Macht drängen oder diese schon errungen haben? Wenn erfolgreich öffentlich gegen alle bekannten Regeln des Anstands verstoßen wird? Was heißt unter diesen Bedingungen genau, ein anständiges Leben zu führen sowie – speziell für Führungskräfte – ein vorbildliches Verhalten zu zeigen? Ein Verhalten, dem Mitarbeiter Respekt und somit Beachtung zollen?

Mitarbeiter wünschen werteorientierte Führung 

Dies sind spannende und wichtige Fragen! Denn interessanterweise gehen gerade heute in unserer von rascher Veränderung und geringer Planbarkeit geprägten Welt (auch VUCA Welt genannt),  in der die Mitarbeiter zunehmend Orientierung und Sicherheit suchen, Anstand und Respekt verloren – auch in der Business-Welt. Axel Hacke zumindest ist davon überzeugt, dass in unserer Gesellschaft aktuell zunehmend der wechselseitige Respekt verloren geht bzw. wir ihn schon verloren haben.

Ein Beispiel hierfür sind die „sozialen“ Netzwerke. Aufgrund der dort herrschenden  Anonymität sind sie der Ort, wo sich Menschen besonders stark ermutigt fühlen, in kleinhirn-gesteuerte und narzisstische Verhaltensformen zu verfallen. Das Individuum ist alles, Gemeinsinn und Solidarität zählen nichts.

Beispiele für mangelnde Wertorientierung

Hacke führt hierfür Beispiele aus dem Alltag an. Beispiele, die zeigen, dass sich die „Qualität“ des Umgangs miteinander massiv verschlechtert hat und sich andere Menschen verletzende Verhaltensweisen immer stärker häufen und manche Menschen scheinbar vor (fast) nichts mehr zurückschrecken. Ein solches Verhalten, so sein Credo, schwächt die gesellschaftliche Stabilität und den gesellschaftlichen Zusammenhalt – also etwas, das wir in unserer von rascher Veränderung geprägten Welt dringend bräuchten.

Axel Hacke regt in seinem Buch zum Nachdenken über das Zusammenleben der Menschen an und stellt die Frage: „Warum leben wir nicht so, wie wir leben könnten?“. Sein Buch ist ein Plädoyer dafür, mehr Verantwortung für das persönliche Verhalten zu übernehmen und persönliche Entgleisungen nicht durch die Umstände zu rechtfertigen. 

Ein empfehlenswertes Buch – auch für Führungskräfte

Ein empfehlenswertes, ein lesenswertes Buch für jeden – auch für Führungskräfte, die den Kompass für ihr persönliches Verhalten in der VUCA-Welt neu justieren möchten. 

Denn so mein Credo: 

Nur Führungskräfte, in deren Verhalten sich ein bestimmtes Wertesystem widerspiegelt, werden in der VUCA-Welt von ihren Mitarbeitern akzeptiert und respektiert ... und können so für sie Vorbilder werden.

müllerschön - springende Männchen