30 Mrd. jährlich für nichts?

23.05.2012

Was macht ein Training zu einem guten Training?

In Deutschland investieren Betriebe pro Jahr ca. 30 Mrd. Euro für die Fort- und Weiterbildung (ca. € 750.-/Mitarbeiter).
Interessant dabei ist, dass es bis heute keine gesicherten Erkenntnisse darüber gibt, was den Praxistransfer positiv beeinflusst.
Erste Erkenntnisse liefert jetzt eine Studie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, in dessen Rahmen auch die Unternehmensberatung müllerschön ihre Trainings evaluiert. Diese Studie überprüfte im ersten Schritt (2011) die Situation der Teilnehmenden und wesentliche Persönlichkeitseigenschaften der Trainer. Situation der Seminarteilnehmer
  1. Gezeigt hat sich, dass zum einen die notwendige Unterscheidung zwischen der Zufriedenheit der Teilnehmer mit dem Training und dem tatsächlichen Praxistransfer als gesichert gelten kann.
  2. Für die Praxis bedeutet dies, dass viele Firmen Ihre Seminarbewertungsbögen überarbeiten müssen. Denn die Abfrage: „Wie zufrieden waren Sie mit dem Trainer/Seminar?“ sagt nichts über den Lernerfolg und den späteren Lerntransfer aus. Gerade der Lerntransfer ist jedoch das Ziel.
  3. Der Transfererfolg wird auch positiv durch die Vermittlung der Relevanz der Inhalte für die Praxis beeinflusst. Dies bedeutet, dass ein hoher Praxisbezug mit Beispielen, Beispielen und Beispielen aus dem Alltag der Teilnehmer hergestellt werden muss. Damit wird die praktische Erfahrung der Trainer zu einem zentralen Erfolgsfaktor.
  4. Das Vermitteln von Lernstrategien unterstützt substantiell den Transfer.
  5. Die Zufriedenheit der Teilnehmer wird positiv beeinflusst durch:
    - eine freiwillige Teilnahme
    - ein hohes Interesse der Teilnehmenden am Thema (Relevanz für die Praxis)
    - dagegen wirkt sich großes Vorwissen der Teilnehmenden negativ auf die Zufriedenheit aus.
Allerdings wirkt sich dies positiv auf den Transfererfolg aus. Ob dies jedoch einen Einfluss auf die Teilnehmerzusammensetzung haben sollte, ist noch unklar.

Trainerpersönlichkeit Es zeigte sich in der Untersuchung, dass sich folgende Trainereigenschaften positiv auf den Lernerfolg und/oder auch auf den Praxistransfer auswirken und bei der Trainerauswahl berücksichtigt werden sollte:

  1. Die Wertschatzung der Teilnehmenden, sagt sowohl die Zufriedenheit, als auch den Lern- und Transfererfolg positiv vorher (Trainer als Modell für das spätere Verhalten in der Praxis).
  2. Die Fähigkeit die Teilnehmenden zu motivieren, sagt den langfristigen Lernerfolg positiv vorher. (Brennt der Trainer für das Thema? – Kann sie/er die Teilnehmer begeistern?)
  3. Die Studie hat ebenfalls gezeigt, dass die soziale Kompetenz eines Trainers erfolgsentscheidend ist.
    Interessant dabei ist, dass die Leistungsmotivation* der Trainer isoliert betrachtet, einen negativen Einfluss auf den Praxistransfer hat. Gerade diese scheint aber bei der Auswahl eines Trainers in der Praxis einen hohen Stellenwert zu haben (Biss-Faktor). Sind diese Trainer wiederum zusätzlich gewissenhaft*, ist die Auswirkung auf den Transfer (vermutlich) positiv.
    Eindeutig positiv wirken sich die Trainereigenschaften Teamorientierung* und Soziabilität* auf den Transfer aus. Auf die Zufriedenheit haben diese Faktoren jedoch keine Auswirkrung.
  4. Ganz besonders hervorzuheben ist, dass Teilnehmende, die eine Passung von Inhalten, Methoden und Lernvoraussetzungen erleben und berichten, sowohl bei der Zufriedenheit, dem kurzfristigem Lernerfolg und dem Transfererfolg höhere Werte zeigen.
    Gerade diese Erkenntnis stützt die Praxis vieler Personalentwicklungsfachleute in den Betrieben. Sie stimmen die Methoden gezielt auf die Trainingsinhalte ab und lassen eine Themenüberfrachtung nicht zu, da sonst der Vortragsanteil zu hoch wird. Außerdem achten sie auf eine positive und störungsfreie Lernumgebung, in der die Teilnehmer vom Alltag „geschützt“ werden und genügend Pausenzeiten haben (Deshalb gilt: Möglichst keine Trainings im Firmengebäude. Außer: Klares „Verbot“, an den Arbeitsplatz zu gehen und keine Telefonate)
    Grundsatz: Unser Gedächtnis braucht ungestörte Zeit zum „speichern“ und wir brauchen Zeit zum Verstehen.
  5. Das Aufgreifen der Bedürfnisse der Teilnehmenden im Seminar hat nur einen Effekt auf die Zufriedenheit, aber weder auf den Transfer noch auf den Lernerfolg.
Albrecht Müllerschön

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