Delegieren wird überbewertet – Ich kann auch alles selbst machen

18.06.2015
„Ich arbeite besser, schneller und zuverlässiger als meine Mitarbeiter und dies bekomme ich im Alltag immer wieder bestätigt“. Solche oder ähnliche Gedanken kennt jede Führungskraft. Tatsächlich wird dies im Alltag auch regelmäßig bestätigt. Theoretisch kann dies sein, ist aber unwahrscheinlich. Sie können nicht in allen Bereichen gleich gut sein. Es gibt Tätigkeiten, die andere aufgrund ihrer Spezialisierung besser ausführen – egal ob dies einfache oder hochkomplexe Aufgaben sind. In obigem Gedanken steckt jedoch auch eine Einstellung dahinter, die eine Weiterentwicklung der Mitarbeiter oder die Nutzung dessen Potenziale ausschließt. Nicht nur der vermeintliche Mangel an Zeit, auch Ehrgeiz, Angst vor einem Kontrollverlust und dem Mangel an Vertrauen den Mitarbeitern gegenüber, erschweren das Delegieren. Oft wird eine mangelnde Delegationsbereitschaft durch die eigene Motivation erschwert. Denn das „Selbst erledigen“ macht oft auch deshalb Spaß, weil die Aufgabe ursprünglich der Grund der eigenen Berufswahl war. Und diese Arbeit jetzt zu delegieren, fällt immer wieder schwer.

Wer nicht delegieren kann, kann nicht führen!

Begreifen Sie das Delegieren als Chance - und nicht als ein Manko und machen Sie sich immer wieder bewusst, dass erfolgreiche Führungskräfte konsequent delegieren.

Wer selber (viele) operative Aufgaben erledigt, verliert die Übersicht und frustriet Mitarbeiter!

Nur wer den Kopf frei hat für wichtige Dinge, arbeitet effektiv und effizient. Und neben den wichtigen Aufgaben einer Führungskraft gehört außer der sachlichen Zielerreichung auch:
  • die Mitarbeiter- und Teamentwicklung,
  • die Mitarbeiterbindung,
  • die Übertragung von Aufgaben, damit Mitarbeiter eigenverantwortliche Erfolgserlebnisse erhalten können,
  • die Prozess- und Kostenoptimierung
  • usw. dazu.
Aber gerade mit diesen Führungsaufgaben haben etliche Führungskräfte und Manager ein Problem. Gestresste Führungskräfte hasten von Meeting zu Meeting, wollen über alles Bescheid wissen, verzetteln sich zunehmend mehr in Details und kümmern sich um Kleinigkeiten. Dies zeigt den Mitarbeitern gegenüber nicht nur ein mangelndes Vertrauen (Vertrauen gilt als einer der wichtigsten Motivationsfaktoren), sondern demonstriert auch die eigene Führungsqualifikation. Darüber hinaus machen diese Führungskräfte einen Job, für den sie meist überbezahlt sind. Den Nutzen einer Führungskraft bewerten Mitarbeiter und das Top-Management nicht nach dem Ausmaß, wie viel Arbeit der Mitarbeiter die Führungskraft erledigt.

Delegieren braucht Mut

Ohne Mut oder Risikobereitschaft wir das Delegieren nicht funktionieren. Es ist der Mut, „Nein“ zu sagen und der Mut, Aufgaben, die andere erledigen können, zu delegieren. Es ist der Mut sich einzugestehen, dass durchaus auch Mitarbeiter so gut und so schnell arbeiten können, wie Sie. Mut, darauf zu vertrauen, dass ein Projekt auch ohne eigenes Zutun optimal läuft.

Tipps

  • Grundsatz: Kein Training und kein Tool hilft einer Führungskraft zu delegieren, wenn Sie es nicht will.
  • Stellen Sie sich einfach mal spielerisch vor, Sie wären eine „stinkfaule“ Führungskraft. Wie und was würden Sie dann delegieren und was würde sich dann für Sie positiv verändern?
  • Machen Sie sich Gedanken zu: Wenn ich mehr Mut hätte, was würde ich dann anders tun?
  • Grundsatzfrage: Worauf warten Sie?
Albrecht Müllerschön, Managementberatung müllerschön

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