Eine ungeteilte Aufmerksamkeit lohnt sich!

19.09.2015
»Information frisst Aufmerksamkeit«, erkannte schon vor über vierzig Jahren der Entscheidungsforscher (und spätere Ökonomie-Nobelpreisträger) Herbert Simon. Zugegeben - kein leichtes Unterfangen, mitten in der täglichen Informationsflut herauszufiltern was wichtig ist und was nicht. Was unsere Aufmerksamkeit verdient und was nicht. Dazu kommen die gestiegene Komplexität unserer Anforderungen und ein stetig steigendes Angebot an Möglichkeiten. Nicht zu vergessen der Zeitdruck unter dem wir heute ständig stehen. Ein Lösungsversuch dieser verflixten Situation, den Sie sicher auch von sich kennen, ist die Bearbeitung mehrerer Dinge gleichzeitig. Unser Ziel ist es, dadurch Zeit einzusparen.
Umso mehr wir gleichzeitig erledigen, umso mehr empfinden wir ein erhöhtes Arbeitstempo. Und das gibt uns wiederum das Gefühl, die Zeit besser zu nutzen. Wir fühlen uns leistungsstark. Unzählige Studien belegen ganz klar die Nachteile dieses Verhaltens. Machen wir uns also nichts vor. Wir können nicht mehrere Dinge gleichzeitig wirklich gut machen. Wissenschaftliche Untersuchungen aus der Psychologie und Hirnforschung belegen, dass die Effizienz beim Bearbeiten verschiedener Aufgaben abwechselnd in kurzen Zeitabschnitten im Vergleich zur Bearbeitung der Aufgaben nacheinander sinkt. Multitasking fordern zwar viele moderne Jobs, doch es richtet mehr Schaden an, als es nutzt.
  • Unsere Konzentration und das Ergebnis leiden
  • Die Produktivität lässt bis zu 40 Prozent nach
  • Wir stehen unter ständiger Anspannung
  • Die Gesprächsatmosphäre verschlechtert sich
Sind unsere Handlungen automatisiert, wie z.B. beim Autofahren oder Essen, ist es durchaus möglich zwei Dinge simultan zu tun. Wir können unsere Aufmerksamkeit zusätzlich z.B. einem Gespräch widmen. Handelt es sich aber um nicht-automatisierte Handlungen, leidet die Effizienz deutlich. Es kommt auf Dauer zu einem erheblichen Konzentrations- und Leistungsverlust. Die Korrektur der dabei gemachten Fehler kostet uns deutlich mehr Zeit, als die einzelnen Dinge mit ungeteilter Aufmerksamkeit zu bearbeiten.
Ganz zu schweigen von dem Stress und der Hektik, den es in uns auslöst, zwischen vielen Aufgaben hin und her zu springen. Einen Bericht zu schreiben, eingehende Mails zu lesen und einem unangemeldeten Kollegen eine Frage beantworten... Das kann auf Dauer sogar krank machen. Und nicht nur das - wir verlieren in erschreckender Weise die Fähigkeit, unwichtige Informationen von wichtigen zu unterscheiden und zu speichern.
Die Konsequenz: Multitasker können Informationen, die mit ihrer aktuellen Aufgabe nichts zu tun haben, sehr schlecht ausblenden. Die Fähigkeit, sich ganz auf etwas zu konzentrieren geht verloren. Sie werden also von unwesentlichen Dingen abgelenkt, arbeiten langsamer und fehlerhafter und müssen dementsprechend mehr nacharbeiten. Was wiederum oft zu Frustration führt. Im Kopf immer ein Schritt weiter. Nicht im Hier und nicht im Jetzt sein, macht Stress und schlimmer noch: Wir haben das Gefühl, nur noch zu reagieren. Und wie steht es mit der ungeteilten Aufmerksamkeit ihres Gegenübers? Sie alle kennen Aussagen wie "Kommen Sie nur rein. Ich schreibe schnell etwas fertig, bin aber ganz Ohr, was Sie zu sagen haben." Wir spüren in diesen Situationen ganz genau, dass das nicht wahr sein kann. In der Aufmerksamkeit, bzw. dem Interesse das uns entgegengebracht wird erkennen wir unbewusst unseren eigenen Wert. Sich wertvoll zu fühlen trägt wiederum zu einer guten Kommunikation bei und nicht zuletzt zu unserer eigenen psychischen Gesundheit. Wie oft bekommen wir im Gespräch heute noch ungeteilte Aufmerksamkeit? Wie oft schenken Sie ihrem Gegenüber Ihre uneingeschränkte Aufmerksamkeit?
Manch eine Teamfindungsmaßnahme wäre überflüssig, würden wir dem anderen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit schenken. Eine große Zahl an Missverständnissen könnten dadurch verhindert werden. Fazit: Die ungeteilte Aufmerksamkeit steigert nicht nur unsere eigene Effizienz und Leistungsfähigkeit, sondern vermindert Stress und fördert noch dazu unsere Gesundheit und ein würdigeres Miteinander.

Tipps:

  • Sortieren und priorisieren Sie Ihre Aufgaben konsequent. Dieser tägliche Aufwand lohnt sich. Arbeiten Sie die Aufgaben der Reihe nach ab.
  • Planen Sie bei der Bearbeitung Ihrer Aufgaben genügend zeitliche Puffer ein.
  • Stellen Sie die Pop-ups Ihres E-Mail Programms aus. Definieren Sie Zeiten um Ihre E-Mails zu bearbeiten.
  • Lassen Sie sich nicht von hektischen Kollegen beeindrucken.
  • Beobachten Sie sich selber: Wie schwer fällt es Ihnen, Ihre ungeteilte Aufmerksamkeit etwas zu widmen?
  • Planen Sie mehrmals täglich ein paar Minuten ein, in denen Sie sich zurück lehnen können bzw. zu sich kommen können.
  • Kommunizieren Sie mit Ihren Kollegen definierte Zeiten, in denen Sie ungestört sein wollen.
  • Stellen Sie sich immer wieder die Frage: "Was will ich wirklich erreichen?" Nur wenn wir wissen welches Ziel wir bei unserem Handeln verfolgen, können wir unsere Aufmerksamkeit auch darauf fokussieren und die für uns wichtigen Informationen herausfiltern.
  • Schenken Sie sich immer wieder selber ungeteilte Aufmerksamkeit. Wie fühlen Sie sich? Was wünschen Sie sich? Was brauchen Sie?
  • Grenzen Sie sich gegenüber Störungen ab. Nehmen Sie Aufgaben nur dann in Angriff, wenn Sie wirklich Zeit dafür haben und ihnen die nötige Aufmerksamkeit widmen können.
  • Schenken Sie Ihrem Gesprächspartner Ihre volle Aufmerksamkeit. Eine bessere Konfliktprävention und Beziehungsförderung bekommen Sie durch nichts einfacher.
Christina Seitter, managementberatung müllerschön

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