Herausforderung: Die eigenen Vorsätze

26.09.2014
Unbedingter Wille, Willenskraft und der Glaube an sich selbst, das ist nach Joachim Löw das Erfolgskonzept für seinen Erfolg und den der Mannschaft.
Die Fragen die sich hierbei viele Menschen stellen sind, wie schaffe ich das? Wie kann ich meine Willenskraft so bündeln, dass ich dabei meinen inneren Schweinehund überwinde? Wie schafft man es in aller Konsequenz die Dinge zu verfolgen? Was all das mit Ihren persönlichen Interessen und Bedürfnissen zu tun hat lesen Sie hier.
Besonders nach dem Urlaub oder zum Jahresbeginn werden neue Vorsätze formuliert, die sich einige Tage später leider wieder in Luft auflösen. „Jetzt mache ich die Präsentation endlich fertig“, „Jetzt arbeite ich täglich alle meine Aufgaben ab“, „Heute mache ich pünktlich Feierabend“, „Nach Feierabend gehe ich nicht mehr an die eMails oder an das Handy“. Die vielen Anforderungen im Alltag, Gewohnheiten, Müdigkeit, oder ganz einfach Unlust, machen uns immer wieder einen Strich durch die Rechnung und die Dinge laufen doch wieder im alten Trott. Grundsätzlich gilt: Wir können auf Dauer nur dann erfolgreich sein, wenn uns die Arbeit Spaß macht und sie unseren Begabungen und Bedürfnissen entspricht. Bei der Umsetzung der eigenen Vorsätze geht es immer auch um die Sinnfrage. Also um die Frage: Warum sollen wir etwas tun, oder lassen, wenn es keinen Sinn macht bzw. keinen persönlichen Zweck erfüllt?
Einen Sinn macht dann etwas für uns, wenn wir mit einer Tätigkeit unsere Bedürfnisse befriedigen können, bzw. die Tätigkeit unseren Werten entspricht.
Wenn wir uns immer wieder zu etwas aufrappeln müssen, dann hat dies meist damit etwas zu tun, dass wir mit einer bestimmten Aufgabe keines unserer Bedürfnisse befriedigen können. Eine Situation die sich oft nicht vermeiden lässt.
Entscheidend ist, wie Sie damit umgehen. Was aber sind Ihre Bedürfnisse?
Vielleicht Karriere zu machen, erfolgreich zu sein, gut zu verdienen, um damit das eigene Image zu steigern oder sich einen hohen Lebensstandart leisten zu können. Ein Ziel, das in unserer Gesellschaft einen hohen und angesehenen Stellenwert besitzt und wir deshalb schnell in eine Richtung laufen, die zwar dem Mainstream, aber nicht unbedingt den eigenen Bedürfnissen entspricht.
Diese Laufrichtung lässt sich auch für eine längere Zeit aufrechterhalten. Irgendwann kommt aber bewusst oder unbewusst die Frage: Was will ich eigentlich? Entspricht mein Leben dem, was mir eigentlich wichtig ist? Um dem eigenen Leben und den Bedürfnissen gerecht zu werden, müssen wir uns entscheiden. Entscheiden bedeutet aber, dass wir uns für etwas und damit immer gleichzeitig auch gegen etwas entscheiden müssen.
Solange wir uns aber nicht entscheiden, sondern mehreres gleichzeitig haben möchten, wie z.B.: einen Strategieplan fertig zu stellen aber auch gleichzeitig Feierabend haben zu wollen, sind wir im Konflikt.
[Interessant ist, dass der innere Stress (Konflikt) sofort deutlich geringer wird, wenn wir uns entschieden haben und wir bereit sind, die damit einhergehenden „Kosten“ zu übernehmen].
Jeder von uns kennt es, dass in dem Moment, in dem wir uns wirklich entschieden haben, die meisten Dinge fast von alleine gehen oder zumindest sehr viel einfacher. Wir müssen also erst für uns klären, was wir eigentlich und in welchem Umfang tun möchten, und welche Kosten wir bereit sind dafür zu „bezahlen“.
Vorsätze, die nicht mit unserer inneren Einstellung übereinstimmen, seien sie auch noch so vernünftig, bremsen uns doch eher aus, da wir uns zu sehr disziplinieren müssen um sie zu erfüllen.
Vorsätze funktionieren dann, wenn wir uns Dinge vornehmen, die uns wirklich wichtig sind, zu unserer Persönlichkeit passen und wir deshalb bereit sind, die entstehenden Kosen zu übernehmen. Ohne Sinn funktionieren keine Vorsätze Aufgaben/Tätigkeiten machen nur dann Sinn, wenn wir mit ihnen unsere Bedürfnisse befriedigen können.
Sich beruflich voll zu engagieren wird auf Dauer nur dann funktionieren, und nur dann funktioniert es auch mit unseren Vorsätzen, wenn dieses Engagement das Bedürfnis „Karriere“ befriedigt und die anderen Bereiche im Moment keinen besonders hohen Stellenwert besitzen.
So lässt sich z.B. die Frage stellen, was macht es für jemanden für einen Sinn, sich beruflich immer wieder neuen Herausforderungen zu stellen, wenn sich die Person im Innersten eigentlich ein Leben mit den Kindern oder mit Freunden wünscht und seine Bedürfnisse ständig unterdrücken muss?
Der Preis der daraus entstehenden Frustration lässt sich nur eine Weile lang bezahlen. Jedoch nicht auf Dauer. Auch dann wenn z.B. der aktuelle Job dem eigenen Ideal entspricht, fallen trotzdem Aufgaben an, die einem wenig Spaß machen. Hier ist die entscheidende Frage: Bin ich bereit, diese Kosten zu akzeptieren und in Kauf zu nehmen, diese Aufgaben ggf. einfach konsequent abzuarbeiten.
Die Kosten für „Jogis Jungs“ waren u. A. der Lagerkoller. Wenn sie diesen jedoch nicht akzeptiert hätten, hätten Sie den Traumjob nicht machen dürfen oder wären vermutlich hoch frustriert gewesen. Entscheidend für uns ist, dass wir die Entscheidung über die Kosten einmal für eine längere Zeit treffen und sie nicht immer wieder hinterfragen.
Nach diesem Prinzip funktioniert ein erheblicher Teil unseres Tagesablaufes. So machen Sie sich keine Gedanken darüber, ob Sie morgens aufstehen und sich die Zähne putzen. Sie machen sich keine Gedanken, ob Sie täglich zur Arbeit gehen. Sie machen sich keine Gedanken ob Sie wichtige eMails beantworten.
Bei wichtigen eMails auf die z.B. ein/e Ihnen unsympathische/r Kollegin oder Kollege wartet, sieht dies vermutlich schon anders aus. Es kommen dann vermutlich Fragen auf wie: „Soll ich sie schreiben?“, „Soll ich sie jetzt, später oder gar nicht schreiben?“
Das "nicht entscheiden", führt auch hier zu inneren Konflikten und damit auch zu möglichen Blockaden. Wenn Joachim Löw von unbedingtem Wille, Willenskraft und dem Glauben an sich selbst spricht, dann wird dies nur funktionieren, wenn er und die Nationalspieler darin einen Sinn sehen und damit ihre Bedürfnisse befriedigen können.
Wie kann jemand freiwillig erst zwei Wochen Trainingslager und dann ca. vier Wochen in Brasilien in Quarantäne mit dem Lagerkoller leben, wenn damit keine persönlichen Bedürfnisse befriedigt werden würden.
Geld kann nicht der Grund dafür sein, da man davon ausgehen kann, dass alle davon genügend haben. Es lässt sich sogar noch verschärft formulieren. Alle Spieler haben es finanziell nicht nötig, sich solchen Strapazen auszusetzen. Und trotzdem tun sie es. Wie wichtig die Sinnfrage ist, lässt sich so Christina Seitter, z.B. auch an sogenannten resilienten Menschen feststellen, die sich auch darin auszeichnen, den Sinn ihres Tuns immer vor dem inneren Auge zu haben. Der Sinn oder aber das höhere Ziel wird von diesen Menschen auch oft als der Motor ihres Tuns beschrieben. Ihr Tun ist ganz der Erreichung des Ziels verschrieben, aus dem sich Vorsätze stimmig von selbst ergeben. Und dies ist der Grund, weshalb ein Vorsatz für eine Sache, die man „eigentlich“ nicht will, nicht funktioniert.
Kaum ein Mensch würde sich vornehmen, die Autofelgen mit der Zahnbürste sauber zu machen, da die Sinnfrage hier schnell beantwortet ist. Aber vermutlich gibt es dennoch Menschen die genau dies gerne tun, weil sie für sich darin einen Sinn sehen und ein Bedürfnis befriedigen können. Tipp
Stellen Sie sich deshalb immer wieder folgende Fragen:
  • Klären Sie für sich, z.B. durch ein Gespräch in der Partnerschaft oder mit einem Coach, was Ihnen wirklich wichtig ist und welchen Preis Sie bereit sind, dafür zu bezahlen?
    • Z. B. Wie wichtig sind Ihnen Karriere, Familie, Freunde, Engagement, Disziplin etc. wirklich?
    • Ist der derzeitige Job wirklich das, was Sie sich vorstellen oder wie müsste der ideale Job aussehen?
    • Was macht Ihnen im Leben wirklich Spaß? (Job, Familie/Freunde, Sinn/Kultur und Gesundheit)
    • Sind Sie bereit, die Kosten Ihrer Tätigkeit zu übernehmen?
    • Machen Sie sich bewusst, dass auch beim Traumjob Aufgaben anfallen, die keinen Spaß machen.
    • Klären Sie für sich, was Sie heute schon tun können, um die Balance langfristig herzustellen?
  • Machen Sie sich bewusst, ob Sie ggf. darauf warten, bis sich etwas ändert?
  • Machen sie sich bewusst, dass es kein Lebensziel sein kann, durchzuhalten?
Albrecht Müllerschön

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