Leisten nur glückliche Hühner oder auch Mitarbeiter mehr? Warum ist Glück im Job wichtig?

20.09.2016
In keinem Arbeitsvertrag steht: „Der Mitarbeiter hat ein Recht darauf, bei seiner Arbeit glücklich zu sein; außerdem einen Anspruch darauf, dass ihm seine Arbeit Spaß macht.“ Es ist jedoch eine wissenschaftlich und betriebswirtschaftlich belegte Tatsache, dass Mitarbeiter, die mit ihrer Arbeit glücklich und zufrieden sind, mehr leisten. Sie sind zudem kundenorientierter, seltener krank, innovativer und vieles mehr. „Das habe ich schon 100 Mal gehört“, mag beim Lesen dieser Zeilen manch erfahrene Führungskraft denken. Und: Was soll ich noch tun, damit meine Mitarbeiter glücklich und zufrieden sind?
  • Außer dem Kaffeeautomaten noch einen Billardtuch und ein Sofa im Sozialraum aufstellen?
  • Mit ihnen statt zwei Mal pro Jahr jeden Monat einen Betriebsausflug machen?
  • Ihre Erfolgsprämien weiter steigern?
Ich gebe Ihnen recht: All diese Dinge bringen langfristig wenig. Denn die Mitarbeiter freuen sich zwar kurzfristig darüber. Sie gewöhnen sich aber schnell daran. Also sind sie für sie selbstverständlich. Deshalb geht von ihnen keine motivierende und stimulierende Wirkung mehr aus.

Zentraler Glücksfaktor: Möglichkeit, sich zu entfalten

Anders sieht es mit der Möglichkeit aus, sich im Job zu verwirklichen und zu entfalten. Sie ist sozusagen eine nie versiegende Energiequelle, weil aus ihr immer wieder Erfolgserlebnisse resultieren, die uns Glücksmomente verschaffen. Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen, dass zwischen dem Empfinden von Glück (beziehungsweise Erfüllung) und der erbrachten Leistung ein sehr enger Zusammenhang besteht. Und dabei spielt die Möglichkeit, sich zu entfalten (beziehungsweise erkennbar, etwas bewirken zu können, auf das man stolz sein kann) eine Schlüsselrolle. Das belegen zahlreiche Untersuchungen und vermutlich entspricht dies auch Ihrer Erfahrung. Mitarbeiter, die große Entfaltungsmöglichkeiten haben,
  • erbringen eine 16 % höhere Gesamtleistung,
  • erleiden 60 % seltener einen Burnout,
  • setzen sich 32 % intensiver für das Unternehmen ein und
  • sind 46 % zufriedener im Job.
Doch nicht nur dies: Menschen, die das Gefühl haben, ich kann mich bei meiner Arbeit entfalten, sind auch ambitionierter. Sie suchen eigenständig nach Problemlösungen und sind somit auch lernbereit. Denn letztendlich wollen sich die meisten Menschen als „Hammer“ und nicht als „Ambos“ fühlen. Machen Sie sich deshalb bei Ihrer Führungsarbeit immer wieder bewusst:

1. Ohne Freiheit gibt es kein Lernen.

Lernen ist heute wichtiger denn je. Es funktioniert jedoch nur, wenn es intrinsisch motiviert ist bzw. aus dem Selbst heraus kommt. Lernen, um des Lernens willen, macht keinen Sinn. Die Motivation zu lernen, bleibt nur auf Dauer gewahrt, wenn das neue Wissen oder die neue Erfahrung auch angewandt werden kann.

2. Ohne Feedback gibt es kein Lernen.

Feedback entwickelt im Laufe der Zeit das Selbstbewusstsein – Feedback wirkt sich immer positiv aus, wenn dabei die Feedback-Regeln beachtet werden (siehe hierzu den Artikel von Christina Seitter. „Kritisches Feedback: ein Tanz auf dünnem Eis“). Und es ist nötig. Denn ein erheblicher Teil unseres Verhaltens erfolgt im Laufe der Jahre unbewusst, Wir können es also nicht mehr steuern. Es besteht oder entsteht ein blinder Fleck. Geben Sie deshalb Ihren Mitarbeiter regelmäßig eine Rückmeldung, damit Ihr Gegenüber wieder die Chance hat, das eigene Verhalten zu reflektieren und ggf. zu hinterfragen.

3. Transparenz erzeugen und für einen Informationsfluss sorgen.

Nur wenn Ihre Mitarbeiter die erforderlichen Infos haben, können sie ihre Freiräume im Sinne der Ziele nutzen. Informationsdefizite hingegen erzeugen Frust und heizen den Flurfunk an. Stellen Sie deshalb den nötigen Informationsfluss sicher, damit Ihre Mitarbeiter die Entscheidungs- und Handlungsspielräume, die Sie ihnen gewähren, auch aktiv nutzen können.

4. Gehen Sie respektvoll mit Ihren Mitarbeitern um.

Mit Geringschätzung, Arroganz oder Respektlosigkeit kann fast niemand gut umgehen. Sie kränken, demotivieren und zerstören jegliches Engagement (es sei denn, es wird in einen Kampf umformiert). Beherzigen Sie deshalb folgende Grundregel: Behandle andere so, wie Du selbst behandelt werden möchtest. Dazu zählt auch, dass Sie die Leistung Ihrer Mitarbeiter würdigen und (öffentlich) anerkennen – und deren Erfolge nicht für sich vereinnahmen. Dr. Albrecht Müllerschön, managementberatung müllerschön

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