Wie entsteht persönlicher Erfolg?

28.11.2015
Persönlicher Erfolg ist nicht messbar und nicht abhängig von finanziellen Mitteln und Statusobjekten. Erfolg ist für jeden Menschen etwas anderes. Und doch lassen sich Kriterien für den Erfolg definieren.
Was sind aber die Gründe, weshalb manche Menschen mit scheinbarer Leichtigkeit erfolgreich werden und andere ihrem Traum hinterher hinken oder gar auf der Stelle treten?
Was Sie tun können, um Ihren Erfolg zu steigern, erfahren Sie hier.
Zu Beginn möchte ich ein Grundprinzip vorwegnehmen: Persönlicher Erfolg entsteht durch Leistung und dahin gibt es auch keine „Abkürzung“. Ob Sie als Führungskraft, als Sachbearbeiter, als Mechaniker oder als Jurist erfolgreich sein möchten, entscheidend hierfür ist immer eine hohe Leistung.
Schaut man sich erfolgreiche Menschen noch etwas genauer an, zeichnen Sie sich durch folgende Faktoren aus:

1. Klare Ziele haben

Grundvoraussetzung des Erfolges ist es, klare Ziele zu haben. Viele machen bereits an dieser Stelle den ersten Fehler. Sie verwechseln Ziele mit dem Ergebnis. „Erfolgreich zu sein“ ist das Ergebnis oder die Konsequenz des eigenen Tuns. Ist aber „erfolgreich sein“ das erklärte Ziel, ist noch lange nicht klar, was jemand tun muss, um irgendwann einmal erfolgreich zu sein. Der Frust ist somit vorprogrammiert.
Deshalb muss durch Selbstreflektion oder durch Gespräche ein Ziel formuliert werden. Ein Ziel das zu einem persönlich passt und geeignet ist, dadurch glücklich zu werden.
Hierzu ist es notwendig, sich Zeit zu nehmen und einfach auch mal träumen zu können und aufzuschreiben, für was das eigene Herz schlägt. Denn was nutzt es, wenn jemand ein Leben lang ein Ziel verfolgt, z.B. ein guter Tänzer oder ein erfolgreicher Manager zu sein, wenn die Tätigkeit nicht den eigenen Fähigkeiten oder Begabungen entspricht oder sich die Person dafür eigentlich nicht begeistern kann.
Hierzu können folgende Fragen hilfreich sein: „Wer bin ich?“, „Wo will ich hin?“, „Was kann ich?/Wo liegen meine Begabungen?“, „Was macht mir Spaß?“

2. Wille, Entschlossenheit und Leidenschaft

Eines der zutiefst menschlichen Bedürfnisse ist es, das eigene Leben selbst zu bestimmen und etwas (Neues) zu schaffen. Wenn wir wirklich wissen, was wir wollen, sind wir fast nicht mehr zu bremsen. Leidenschaft und Liebe sind die zwei stärksten Kräfte, die es auf der Welt gibt. Haben wir für das, was wir tun keine Leidenschaft, sind wir nicht motiviert und sehen auch keinen Sinn in dem was wir tun. Brennt in uns allerdings die Leidenschaft, entwickeln wir eine Menge an Energie und uns ist (fast) nichts zu viel, um unsere Ziele zu erreichen. Vergleichbar mit unseren Empfindungen in dem Zustand des frisch verliebt seins. Können Sie sich an das Gefühl erinnern, mit wie viel Energie Sie spielend alle Hürden auf dem Weg zu Ihrem Glück zu überwinden bereit waren? Was haben Sie nicht alles in Kauf genommen, um dieses Ziel zu erreichen.
Was aber ist der Grund, weshalb wir beim Verliebt sein plötzlich so viel Drive bekommen? Sicherlich sind unsere Hormone nicht ganz unbeteiligt. Entscheidend sind aber der Wille und die Entschlossenheit. Denn etwas zu wollen ist eine Sache – es aber tatsächlich tun, eine andere. Die heutige Forschung (z.B. Prof. Julius Kuhl-Osnabrück; Die Kunst der Selbstmotivierung) zeigt auf, dass sich Willenskraft aus fünf verschiedenen Fähigkeiten zusammensetzt: a) Aufmerksamkeitssteuerung: Besonders willensstarke Personen fokussieren sich beharrlich auf ihr Ziel – und lassen sich nicht ablenken, bis sie es erreicht haben.
Diese Fähigkeit ist bei vielen Menschen von allen folgenden am niedrigsten ausgeprägt. Nicht so bei den Erfolgreichen.
So fällt es vielen Menschen schwer, sich auf eine Sache zu konzentrieren und sich bei wichtigen Dingen nicht ablenken zu lassen. In der Umgangssprache bezeichnet man dieses Verhalten auch als Aufschieberitis. b) Emotionale Kontrolle: Frust, Wut, Enttäuschungen oder Lustlosigkeit sind für die eigene Zielerreichung kontraproduktiv. Menschen mit einem hohen Willen (Volition) wissen genau, wie sie solche Gefühle für sie vorteilhaft steuern können. c) Misserfolgsbewältigung: Rückschläge kommen vor. Es ist nur menschlich, wenn diese uns kurz aufhalten. Entscheidend ist, Misserfolg für sich nutzen zu können und daraus zu lernen. d) Motivationskontrolle: Irgendwann lässt das Durchhaltevermögen zwangsläufig nach – dann gilt es, sich durch selbst gesetzte Anreize weiter anzutreiben. e) Umwelt- und Sozialkontrolle: Wer besonders willensstark ist, achtet auch auf seine Arbeitsumgebung. Dazu gehört es, sämtliche Störquellen wie Handys, Störungen durch Kollegen oder unproduktive Gespräche oder Sitzungen zu vermeiden bzw. massiv zu reduzieren. Interessant ist, dass eine Umfrage der Managementberatung Kienbaum ergab, dass 85 % der Firmen bei High Potentials am meisten auf deren Willenskraft achten. Damit hat diese Fähigkeit einen deutlich höheren Stellenwert als die Lernbereitschaft, die Selbstkritik oder die Belastbarkeit. Trotzdem bleibt ein starker Wille die zweite Wahl. Denn eigentlich könnten wir ohne große Willenskraft auskommen, wenn wir ein Ziel verfolgen, das uns Spaß macht und wir dabei Erfüllung erleben.
Da zum Leben jedoch Frustrationen und Tiefschläge dazu gehören, hilft uns der Wille immer wieder aufzustehen und den nächsten Schritt auf das Ziel zuzumachen.

3. Klare Entscheidungen treffen

Haben wir unsere Ziele, die unsere Leidenschaft auslösen entdeckt, müssen wir uns dazu bekennen und eine klare Entscheidung treffen.
Nur wenn wir zu 100 % zu unserem Ziel stehen, nur wenn wir zu 100 % davon überzeugt sind, dass dies das Richtige ist, können wir die Entscheidung treffen, dieses Ziel oder diese Ziele zu verfolgen. Wie Sie mit Sicherheit aus anderen Situationen kennen, werden Sie feststellen, dass nach der Entscheidung die Erleichterung kommt. Ob das der Hauskauf war, ob es die Entscheidung war, den Arbeitgeber zu wechseln oder auch nur, eine Urlaubsentscheidung. Der Prozess ist immer der gleiche. Eine Entscheidung, möglicherweise nach einem inneren Kampf, entspannt und setzt Ihre Energien frei. Es wird leicht. Manche sind dann fast wie beflügelt. Plötzlich werden Alternativen sichtbar, die vorher völlig verbaut waren.

4. Selbstwertgefühl entwickeln

Der Glaube an sich selbst ist ein wesentliches Fundament einer erfolgreichen Persönlichkeit. Es setzt voraus, dass wir uns so akzeptieren müssen wie wir sind. Als liebenswert, mit allen Stärken und Schwächen. Es lässt sich im Moment so oder so nicht ändern. Erst dann, wenn wir unsere Schwächen akzeptieren, sind sie keine Bedrohung mehr und wir sind an dieser Stelle auch nicht mehr angreifbar. Darüber hinaus ist es notwendig, dass wir uns unsere Stärken und unsere bisherigen Erfolge immer wieder deutlich machen, um daraus Kraft und Zuversicht zu schöpfen. Umfangreiche Studien zeigen ein verblüffendes Ergebnis. Ca. 70 % aller Menschen sind sich ihrer persönlichen Stärken überhaupt nicht bewusst. Ca. 20 - 22 % setzen ihre Talente eher zufällig oder nur teilweise ein. Die Wenigsten, nur etwa 8 - 10 % aller Menschen kennen ihre Fähigkeiten und Talente ganz genau und setzen diese auch zielorientiert ein. Und genau diese Menschen sind die erfolgreichsten.
Demnach mangelt es also nicht am Vorhandensein persönlicher Fähigkeiten, sondern oft nur an deren zielgerichtetem Einsatz und dem Bewusstsein darüber. Um das eigene Selbstwertgefühl zu steigern sind vor allem auch Erfolgserlebnisse wichtig. Deshalb schieben Sie nichts auf und befolgen Sie die 72 Stunden Regel: Demnach sollten Sie, wenn Sie sich für ein Ziel entschieden haben, darüber nicht mehr nachdenken, sondern das Vorhaben umsetzen.
Den inneren Schweinehund kennen sie. Z.B. wenn Sie sich vorgenommen haben, mehr Sport zu machen. Dies klappt dann zwei, drei Mal sehr gut und dann schlägt der innere Schweinhund zu. Wir finden alle möglichen Ausreden, warum es heute nicht geht. „Das Wetter ist zu schlecht“, „Eigentlich wollte ich heute Abend einen Film anschauen“, „Eigentlich wäre es schön, wenn …“
Den inneren Schweinehund überwinden Sie nur mit Selbstdisziplin.
Machen Sie sich auch bewusst, dass Entscheiden immer auch bedeutet: Sich gegen etwas Anderes zu entscheiden.

5. Ausdauer fördern

Viele Fähigkeiten, die zum Erfolg wichtig sind, lassen sich trainieren. Willenskraft ist genauso trainierbar wie körperliche Ausdauer durch regelmäßigen Sport.
Hierzu empfehle ich Ihnen, dass Sie es lernen, unangenehme Situationen immer länger auszuhalten. Dies kann z.B. dadurch beginnen, dass Sie immer dann, wenn Sie eine Arbeit machen, die für ihren Erfolg wichtig ist, Sie aber keine Lust dazu haben, sich vornehmen, erst dann einen Cafe zu trinken, wenn Sie den nächsten Schritt, die gesamte Arbeit gemacht oder die gewünschte Qualität haben. Dies kann u.U. mit drei Minuten beginnen und dann im Laufe der Zeit immer weiter steigern. Dies funktioniert nicht nur deshalb, weil Sie sich daran gewöhnen, sondern auch deshalb, weil dieses Training durch Erfolgserlebnisse belohnt wird. Außerdem könne Sie sich dadurch zum „Durchhalten“ motivieren, in dem Sie sich Ihre Ziele immer wieder bewusst machen und sich bewusst machen, dass diese Aufgabe einen wichtigen Beitrag für Ihren Erfolg leistet. Machen Sie sich täglich auch die kleinen Erfolge wirklich bewusst und versuchen Sie, dieses Erfolgsgefühl zu spüren.

6. In einem inneren Spitzenzustand sein - Exzellenz leben

Erfolg ist oft kombiniert mit Misserfolgen. Kaum ein Mensch wird nicht beides kennen. Das Entscheidende ist, wie wir in solchen Situation mit uns selbst umgehen.
Misserfolge führen dazu, dass wir manchmal an uns selbst und an unseren Fähigkeiten zweifeln. Wir fokussieren uns dann schnell auf das, was wir nicht geschafft haben und machen uns dadurch innerlich klein, und sehen uns ggf. sogar als bedeutungslos.
Deshalb ist es entscheidend, dass wir wieder schnell nach vorne schauen und uns auf unsere Möglichkeiten konzentrieren. Vorbei ist vorbei. Nächstes Mal machen wir es besser - wenn wir daraus lernen. Um unsere Persönlichkeit zu entwickeln brauchen wir diese Fehler. Fatal ist, sich durch den steten Blick in die Vergangenheit zu blockieren indem wir uns auf gemachte Fehler fokussieren.

7. Vorbilder suchen

Wie wichtig Modellernen ist, lässt sich am besten bei der Kindererziehung beobachten. Es ist die einfachste Möglichkeit, zu erkennen was wir möglicherweise besser machen können. Deshalb stellt sich die Frage, wer sind Ihre Modelle? Sind es Menschen die Ihnen bei der Verfolgung ihrer Ziele nützlich sein können? Sind es Menschen, die wirklich zu den Besten gehören und Sie von ihnen lernen können? Machen Sie sich bewusst, von wem Sie wirklich lernen können, um Ihre persönlichen Ziele zu verfolgen. Setzen Sie sich mit diesen Personen auseinander. Analysieren Sie diese bzw. deren Verhalten und machen Sie sich ihre Erkenntnis zu nutzen.

8. Netzwerk stärken

Wir brauchen alle ein Netzwerk, denn es gibt uns emotionale Sicherheit .Und wir lernen dadurch Menschen kennen, die uns hilfreich sein können. Ob diese Familien- oder Vereinsmitglieder sind, ob dies Kolleginnen und Kollegen sind, ist prinzipiell egal. Der entscheidende Punkt ist, um erfolgreich werden oder bleiben zu können, dass wir unsere Netzwerke regelmäßig überprüfen und uns fragen sollten, inwieweit dadurch die eigenen Bedürfnisse bzw. eigenen Ziele (noch) unterstützt werden.     Eine hilfreiche Übung kann z.B. folgende sein: Aufgabe: Tragen Sie auf einem Schaubild alle Menschen zusammen, die für Sie beruflich und/oder privat eine wichtige Bedeutung haben. Machen Sie sich dann Folgendes bewusst:
  • Welche Qualität haben diese Beziehungen für mich? Z.B. Bringt sie mir Freude oder Kummer? Bringt sie mir Stress oder Entspannung? Frustriert sie mich oder ist es eine Unterstützung für mich? Gibt oder nimmt sie mir Kraft?
  • Welche der Verbindungen sind gestört? Welche sind tragfähig? Auf welche kann ich bauen, egal was passiert?
  • Welche Beziehungen möchte ich langfristig stärken? Welche aufgeben? Welche erweitern? Gibt es eine Beziehung, die ich wieder aufnehmen möchte?
  • Wo muss ich welche Maßnahmen einleiten?
Machen Sie sich auch bewusst, dass ein hilfreiches Netzwerk gepflegt werden muss. (“Von Nichts kommt nichts“) und welche Pflegemaßnahmen sie aktuell durchführen. Tipp:
  • Prüfen Sie, welcher dieser acht Punkte bei Ihnen erfüllt bzw. positiv ausgeprägt ist?
  • Klären Sie für sich, an welcher Stelle Sie ggf. noch Klärungsbedarf haben
  • Klären Sie für sich, welche konkreten Maßnahmen Sie bis wann einleiten oder durchführen werden.
  • Überprüfen Sie ab und zu, ob Sie „weiter gekommen“ sind.
Christina Seitter und Albrecht Müllerschön, Unternehmensberatung müllerschön

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